Morrissey: The Last Of The Famous International Punks


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Es gibt vieles, was man über Steven Patrick Morrissey schreiben kann und es gibt wohl nichts, was wohl noch nicht geschrieben wurde. Zur Zeit tourt Morrissey immer noch mit seiner aktuellen Scheibe „World peace is None of your Business“ durch die Welt und schlägt dabei verbal so um sich, das man nach diesem Konzert wirklich niemanden finden kann, der sich nicht schuldig fühlen muss. Er hält der in Amerika verhassten und gewalttätigen Polizei mittels Video so dermaßen den Spiegel vors Gesicht, das einem nur schlecht werden kann. Die dort für Ordnung sorgenden Beamten erschießen dort mehrfach Hunde oder prügeln auf Hilflose in Gewahrsam genommene ein. Der Song „Ganglord“ den Morrissey dazu präsentiert sorgt dann für den Rest.

Eigentlich fing alles noch ganz harmlos an, als Morrissey um 20h30 die Bühne des Palladium zu Köln betritt und mit den Worten „Kunst, Kunst, Kunst“, das Konzert mit einem seiner legendären Ohrwürmer „Suedehead“ eröffnet. Im Hintergrund ist nur ein altes Foto einer Gruppe vieler Musikbegeisterter Halbstarke zu sehen. Zu Beginn wird hier eines direkt klar, Morrissey ist gesanglich noch einmal gereift und befindet sich auf dem absoluten Höhepunkt seiner Karriere. Er bewegt sich wie Eh und Je und schwinkt das Mikrofronkabel durch die Luft. Doch eine einfache Show zu seiner unzähligen Hits wäre einfach nicht eine Show, die diesem Mann gerecht würde.

Mit „All of the Rumours keeping me grounded“… dem Refrain zu „Speedway“ stellt Morrissey einmal mehr klar, das vieles, was über ihnen geschrieben wurde, der Wahrheit entspricht und er sie auch niemals dementiert hat. Welcher Künstler setzt sich so sehr mit sich selbst und seiner Umwelt auseinander, die er musikalisch und künstlerisch bis ins feinste herausarbeitet? Die Setlist gibt eine Menge an Emotionen her und so schwankt die Auswahl der Songs zwischen der mit erhobenem Zeigefinger und traumhafter lyrischer Melancholie hin und her. Mit „I throw my arms around Paris“, „You have killed me“, „Kiss me a lot“ und „Alma Matters“ kommen vor allem die Fans zum Zug, die sich in die romantische Seite des Briten verliebt haben. Mit Songs wie „The world is full of crashing bores“ lenkt Morrissey dank des Hintergrund-Bildes „United King-Dumb“ die Aufmerksamkeit der Melancholie eher in eine andere Richtung und watscht William und Kate ordentlich ab.

Natürlich darf aber auch der erste Hit seiner Solo-Karriere „Everyday is like Sunday“ hier nicht fehlen, den Morrissey teilweise lyrisch abwandelt und mit einem grandiosen Finale wieder mal zu einem Highlight an diesem Abend kürt. Ebenso wie das musikalisch, als auch gesanglich beeindruckende neue Stück „Staircase at the University“, das so touchig 80er Jahre like ist und perfekt in unsere heutige Zeit passt, das einem ein Schauer über den Rücken läuft. Es folgt „The Shame of Spain“, wie Morrissey seinen aktuellen Song „The Bullfighter dies“ ankündigt.

Mit „Yes, i am Blind“, ein weiterer Klassiker seiner Anfangs-Tage als Solo-Künstler, verlässt Morrissey die ruhigen Töne wieder und präsentiert mit „I will see you in Far-Off places“ wieder einen Smash-Hit vergangener Tage… der lyrisch wie musikalisch ein Meisterwerk der Inszenierung darstellt.

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Das Highlight in Sachen Menschen-Verachtung präsentiert Steven Patrick dann natürlich mit der aktualisierten Version zu „Meat is Murder“, dem im Hintergrund ein grausam brutales Video der Tierschlachtung hinterlegt wurde. Dazu passt Morrissey seine fast 30 Jahre alten Lyrics an und spickt diese mit „Kill- Eat- Murder“ aus und scheut sich auch nicht davor „KFC is Murder“ ins Mikro zu schreien. Am Ende bleibt dann nur noch eine Botschaft stehen: „What´s your Excuse now?“. Wer nach dieser Darbietung nicht seinen eigenen Fleisch-Konsum in Frage stellt, dem ist nicht mehr zu helfen.

moz_live15_2Morrissey hinterlässt an diesem Abend Spuren, nicht nur, weil er seinen Fans einen tollen abend bereitet hat, sondern vor allem, weil er der Menschheit zum wiederholten mal einen Spiegel vor die eklige Fresse hält und die Macht- und Medien-Institutionen in der Welt sich doch viel lieber um diese Probleme kümmern sollten, anstatt sich immer wieder die gleiche Frage zu stellen, ob Morrissey nun Homo- Hetero- oder Humansexuell ist. Fakt ist, er ist ein Gigant und singt seit über 30 Jahren über Dinge, die falsch laufen auf unserem Planeten und kämpft sicher bis an sein Lebensende dafür, das Tiere endlich den Respekt erfahren, den sie verdienen. Morrissey hat sie bislang alle überlebt und sogar die Punks mit ihren Versuchen, die Welt zu verändern inzwischen mit enormer Intelligenz und Durschschlagskraft in den Schatten gestellt. Zum Schluss haut Morrissey noch zwei The Smiths Klassiker im 80er-Retro-Sound raus und begeistert mit „What she said“ und „The Queen is dead“ das Publikum, das hier eine saftige E-Gitarren Ladung auf die Ohren bekommt.

Grandios ist an diesem Abend sowieso die gesamte Live Darbietung aller Beteiligten. Die Musiker spielen angefangen vom Didgeridoo, Akkordeon, Akustik-Gitarre, Bass, E-Gitarre, Drums, Percussions, Keyboard, Trompete alles was ein Orchester so hergibt. Einfach ein gigantisches Fest hoher Kunst, Kunst, Kunst.

Setlist 01.10.2015
01: Suedehead
02: Speedway
03: Ganglord
04: Alma matters
05: You have killed me
06: Kiss me a lot
07: Reader meet author
08: Oboe concerto
09: The world is full of crashing bores
10: World peace is none of your business
11: I’m throwing my arms around Paris
12: Everyday is like Sunday
13: The bullfighter dies
14: Staircase at the university
15: Yes, I’m blind
16: I will see you in far-off places
17: Meat is murder
18: Boxers
19: What she said
20. The Queen is dead

 

 

 

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