OMD neues Album

omdAm Freitag erscheint das neue OMD Album „English Electric“.  „English Electric“ ist das neue Album von Orchestral Manoeuvres in the Dark (OMD), dem gefeierten Synthpop-Duo aus Wirral, die ihrem Genre mit extrem experimentellen Alben wie „Architecture and Morality“ (1981) und „Dazzle Ships“ (1983) den Weg bereiteten. Hits wie „Enola Gay“, „Maid of Orleans“ und „Souvenir“ schickten sie in die Stratosphäre und formten dabei die Musiklandschaft der 80er mit. Sie waren auf dem Album zu John Hughes Kinohit Pretty in Pink und die in nur einem Tag geschriebene Hitsingle „If you Leave“ wurde ein wichtiger Bestandteil des Brat-Pack-Kanons. Von Krautrock und Kraftwerk beeinflusst unterschrieben sie 1979 bei Factory Records und ließen ihr legendäres Single- und Album-Artwork von Peter Saville entwerfen. Heute setzt ihre Arbeit Maßstäbe für Künstler wie The XX, La Roux, The Killers und Arcade Fire-Kollaborateur Owen Pallett, der „Dazzle Ships“ mit nicht mehr als einer Violine überarbeitet hat.

 “English Electric“ kommt drei Jahre nach „History of Modern“ (2010) und ist das zwölfte Album der Band. Der Name stammt von einem britischen Industrieunternehmen und bringt OMDs Identität perfekt auf den Punkt; und für die Eisenbahn-Liebhaber und bekennenden Technik-Fans Andy McCluskey und Paul Humphreys hat er auch darüber hinaus Bedeutung. In den 80ern machten OMD an der Seite von Bands wie Human League, Depeche Mode und Gary Numan mutige Alben, immer auf der Suche nach den Klängen der Zukunft, in einer Zeit geprägt von rasantem technischen Wandel und dem schnellen Herannahen eines neuen Jahrhunderts. Angekommen in der Zukunft, die sie versucht hatten sich vorzustellen, reflektiert „English Electric“ darüber, wie anders sich die Welt tatsächlich entwickelt hat …

 „Please Remain Seated“ erinnert an Dazzle Ships „ABC Auto-Industry“, aber in einer aktualisierten Version für das 21. Jahrhundert, mit einer von Apple digitalisierten Stimme, die den Zuhörer warnt: „Die Zukunft, die du erwartet hast, wurde abgesagt.“

 Andy sinniert: „Die übergreifende Stimmung verbreitet ein Gefühl von Verlust; von Melancholie, weil die Dinge sich nicht so entwickelt haben, wie man es sich gewünscht hat – weder in Bezug auf Technik noch was persönliche Beziehungen angeht.“

Die Songs behandeln zwar verschiedene Gebiete, bleiben aber dem Album als Idee treu. Es gibt Kompositionen, die Themen anklingen lassen, die OMD-Fans bestens bekannt sind, wie Andys metaphorische Ballade über eine Frau der Zeitgeschichte („Helen of Troy“) oder Pauls typische synthetische Hooks, während gleichzeitig ein neues Gefühl des Übergangs mitschwingt. Mit einer elegischen aber auch grüblerischen Stimmung bewegt sich das Album zwischen den Zeiten, die einmal waren und der Gegenwart. Vielleicht spiegelt das die gemeinschaftliche Natur dieses Projekts wider, im Gegensatz zu „History of Modern“, das per E-Mail zwischen Pauls Computer in London und Andys in Liverpool pendelte. Paul beschreibt, was diese persönlichere Art zu arbeiten, zum Gesamtgefühl des Albums beigetragen hat: „Es ermöglichte uns, wie in den ganz frühen Tagen zu arbeiten. Es war sehr spontan. Virtuell kann diese Form der intensiven Kollaboration nicht entstehen. Wieder so zu arbeiten, ermöglichte uns, zu unserer Initialzündung und den elektronischen Einflüssen zurückzukehren. So als ob man wieder Kind ist … keine Regeln!“

 In „Our System“ passiert etwas, das für die jungen OMD vermutlich unmöglich gewesen wäre – der Song besteht aus den Klängen des Unvorstellbaren: Der Backing-Track setzt sich aus den fragmentierten und ruhigen Geräuschen der Magnetosphäre des Planeten Jupiter zusammen. Das Duo entdeckte die Samples beim Stöbern auf der Website der NASA: Die Aufnahmen stammen von einem Gerät, mit dem das Raumschiff Voyager ausgestattet ist, das in der Lage ist, seine geräuschlose Umgebung akustisch wahrnehmbar zu machen.

 Mit Technik als wiederkehrendes Thema reichen die Songs von Erhabenem zu Einfachem; „Decimal“ realisiert rhythmisch den Ansturm von E-Mails, Text- und Sprachnachrichten, die Symptome unserer hyper-verknüpften Welt sind. Getreu dem Stil von OMD ist der Track eine Collage aus den Betriebsgeräuschen verschiedener Maschinen.

 Trotz aller technischen Tricks besteht das Album aus einem vielfältigen Spektrum. „Die Inspiration für dieses Album speiste sich aus einer ziemlich umfangreichen Sammlung von Gedanken und Gefühlen“, berichtet Andy. „Metroland“, die erste Single des Albums, bezieht sich auf eine alte Bahnlinie, die die Vorstadt im Nordwesten Londons mit der Innenstadt verbindet. „Night Cafe“ ist eine Hommage an den berühmten realistischen Maler Edward Hopper, der Text setzt sich aus Titeln seiner Werke zusammen. Er wurde mit der gleichen wehmütigen Melancholie komponiert, die man auch in seinen ikonischen „Nighthawks“ (1942) findet und erinnert an nebulöse, spektakuläre Popsongs von OMD wie „So in Love“ und „Souvenir“. „Kissing the Machine“ entstand in Zusammenarbeit mit dem Kraftwerk-Bandmitglied Karl Bartos, einem sehr frühen Einfluss, und präsentiert Claudia Brücken von Propaganda als Stimme der Maschine. Das Album atmet ein Gefühl von persönlichem Verlust, Reue und Endzeitstimmung – besonders deutlich spürbar in „Final Song“, einer Komposition über eine langjährige Beziehung, die sich ihrem Ende zuneigt.

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